Das Leben der Ostarbeiter

 

Unter der nationalsizialistischen Herrschaft mussten im Deutschen Reich und in den besetzen Gebieten zwischen acht und zwölf Millionne Menschen Zwangsarbeit leisten. Mit Beginn des Krieges mußte der faschistische Staat die zur Wehrmacht einberufenen Arbeitskräfte so schnell wie möglich ersetzen. Dies geschah durch deutsche Arbeiterinnen sowie durch Kriegsgefangene und ausländische Zivilarbeiter. Letztere wurden in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten unter diktierten Bedingungen angeworben bzw. aus diesen Gebieten verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Zunächst wurden Ostarbeiter unter Vorspielung falscher Tatsachen zur Arbeit in Deutschland angeworben. Als sich später nicht mehr genug Freiwillige finden ließen, wurden Ostarbeiter nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit gezwungen.

 


Arbeitsbedingungen
Die Ostarbeiter wurden in Kolonnen zum Arbeitsplatz geführt; dabei waren Kontakte zur Bevölkerung streng verboten.
Das Zustecken von Nahrungsmitteln oder Tabak war streng verboten. Gespräche, die nicht unmittelbar den Arbeitsvorgang betrafen, waren streng verboten. Bei Zuwiderhandlung wurden Ostarbeiter sehr hart bestraft (z. B. Strang; Einweisung in ein Arbeitserziehungslager oder in ein KZ). In Bunkern in den Werksbereichen wurden Ostarbeiter geprügelt. Während eines Luftangriffes durften die Ostarbeiter nicht in die Luftschutzbunker.
Ostarbeiter mußten zwischen 60 und 70 Stunden in der Woche arbeiten.

Unterbringung
Ostarbeiter wurden in Lagern untergebracht, die in der Nähe ihrer Arbeitsplätze lagen.
Die Lager bestanden aus Baracken (feststehende Gebäude) mit zweckentsprechender Umzäunung.
Unterkünfte mußten fest verschließbar und gut zu überwachen sein.
In jedem Lager mußte ein Waschraum, eine Krankenstube und für je 100 Mann eine Haftzelle vorhanden sein.
Die gesamte Freizeit spielte sich ausschließlich innerhalb der Lager ab.
Ostarbeiterinnen, die in Haushalten oder in der Landwirtschaft beschäftigt wurden, konnten auch einzeln beim Betriebsführer untergebracht werden.
Jedoch auch sie durften keinerlei Berührung mit deutschen Bevölkerung haben und bekamen keinen Ausgang.
Ausgang für bewährte Arbeitskräfte – gewissermaßen als Belohnung – nur in geschlossenen Gruppen von 10 bis 20 Personen; Verbot des Kontakts mit der deutschen Bevölkerung; ständige deutsche Aufsicht.
Bettruhe, sprich: Verdunkelung und absolute Ruhe in den Stuben, begann im Sommer um 21.30 Uhr im Winter um 20.00 Uhr.
Für den Einsatz von Ostarbeiterinnen in Haushalten kamen nur solche Haushalte in Frage, an deren 100-prozentiger nationalsozialistischer Weltanschauung keine Zweifel bestanden.

Behandlung der ausländischen Zivilarbeiter
Die Umzäunung des Lagers sollte eine Flucht möglichst erschweren und einen Zutritt von Deutschen oder anderen ausländischen Arbeitskräften unmöglich machen, jedoch mußte sie ohne Stacheldraht sein. Die Fenster sollten nicht vergittert sein.
Den Ostarbeitern sollte der Eindruck genommen werden, dass sie wie Gefangene gehalten wurden. Es war deshalb erforderlich, die Lagerinsassen über die Notwendigkeit einer festen Umzäunung in geeigneter Form aufzuklären.
Ostarbeiterinnen in deutschen Haushalten durften in keinerlei näheren Kontakt mit Gästen und Hausbewohnern kommen. Sie hatten grundsätzlich keinen Anspruch auf Freizeit und keinen Ausgang.
Geschlechtsverkehr war absolut verboten. Schwangere wurden abgeschoben. Gegen selbst oder mit Hilfe anderer versuchte Abtreibungen wurde nicht eingegriffen.

Strafen bei schwereren Vergehen
Arbeiter, die einen Fluchtversuch unternahmen und wieder gefaßt wurden, wurden direkt in ein KZ eingeliefert. In milderen Fällen bekamen die Personen Stockhiebe, die nicht die deutschen Bewacher, sondern andere ausländische Arbeiter austeilen mußten. Als besonders harte Fälle wurden politisch gefährliche Betätigung und Geschlechtsverkehr mit deutschen Frauen angesehen. In solchen Fällen konnte eine Sonderbehandlung beantragt werden. Sonderbehandlung bedeutete: Tod durch den Strang.

Strafen bei leichteren Vergehen während der Arbeits- und Freizeit
Ordnungsübungen nach Beendigung der Arbeitszeit; z. B. stundenlanges Strammstehen im Freien im Sommer wie im Winter.
Zuteilung zum Straftrupp; bei nachlässiger Arbeit wurden alle Vergünstigungen entzogen, diese Arbeiter wurden mit besonderer Härte angefaßt.
Entzug der warmen Tagesverpflegung bis zu drei Tagen pro Woche.
Arrest bis zu drei Tagen in einem besonderen, kleinen Haus bei Wasser und Brot, Entzug der Arbeit und damit des Lohns; keine Bewegung im Freien, kein Bettlager.

 

Alle Sträflinge hatten ein Kennzeichen auf der rechten Brustseite zu tragen mit der Auschrift „Ost“

Fritz Sauckel, Gauleiter und Reichsstatthalter der NSDAP, war als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz und die Deportation sowjetischer Zwangsarbeiter/innen verantwortlich.

Aufruf von Sauckel zur Anwerbung sowjetischer Arbeitskräfte
(Auszug)

Arbeiter! Arbeiterinnen!

Die deutsche Armee hat Euch vom Terror Stalins und seiner jüdisch-bolschewistischen Bande befreit.
Die Bolschewisten haben, wo sie nur konnten, Eure Werke und Fabriken zerstört, Lebensmittel vernichtet, Eure Hütten und Wohnungen verbrannt und Euch Eurer Existenzgrundlage - des Lohnes und der Arbeit - beraubt.

Deutschland kann und will Euch helfen.

In Deutschland werdet Ihr Arbeit und Brot erhalten.
Wenn ihr gewissenhaft und fleißig arbeitet und Euch einwandfrei benehmt, werdet Ihr menschlich und gerecht gehandelt.